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Herbstaufenthalt

Paris zu Halloween besuchen: Zwischen Grabkulturerbe und Folklore

Ende Oktober übernimmt die französische Hauptstadt ausgewählte Halloween-Bräuche. Abseits geschmückter Schaufenster birgt die Stadt historische Erinnerungs- und Grabstätten, von den Katakomben bis zu den großen Pariser Friedhöfen.

Frankreich-Spezialistin · September 10, 2026 · 9 Min. Lesezeit

Die Wasserspeier der Kirche Saint-Séverin unter einem herbstlichen Himmel

Paris begeht das angelsächsische Halloween-Fest seit Ende der 1990er-Jahre, getragen von Einzelhändlern und regionalen Freizeitparks. Kürbisse und Spinnweben findest du vor allem in den Pubs des Marais oder des Quartier Latin, doch die Tradition bleibt überwiegend kommerziell geprägt. Einheimische nutzen diese Zeit gern für private Kostümpartys, während Familien in den Wohnvierteln von Tür zu Tür ziehen.

Die morbide Seite der Stadt gründet auf konkreten historischen Begebenheiten. Unter den Straßen beherbergt das städtische Beinhaus die sterblichen Überreste von rund sechs Millionen Menschen, die nach der Schließung der Pfarrfriedhöfe im 18. Jahrhundert dorthin überführt wurden. Diese Gedenkorte verlangen Respekt und heben sich deutlich von saisonalen Grusel-Attraktionen ab.

Beim Erkunden der Île de la Cité oder der Gassen von Montmartre begegnest du Bauwerken, die von der Französischen Revolution oder mittelalterlichen Epidemien geprägt wurden. Spezielle Themenführungen greifen diese tragischen Ereignisse auf, um die Kriminal- und Seuchengeschichte der Metropole zu beleuchten – eine fundierte Alternative zu klassischen Geisterhäusern.

Eine Neuordnung des Totenwesens im 18. Jahrhundert

Die makabre Historie von Paris steht in engem Zusammenhang mit einer schweren Gesundheitskrise im Jahr 1780, ausgelöst durch den Einsturz einer Begrenzungsmauer des Friedhofs der Unschuldigen (Cimetière des Innocents). Wegen akuter Seuchengefahr ordnete der Staatsrat 1785 die Verlegung der Gebeine in die ehemaligen Steinbrüche von Tombe-Issoire an. Diese nächtlichen, von Geistlichen begleiteten Transporte dauerten bis 1814 an und schufen das heutige Beinhaus. Parallel dazu verfügte Napoleon Bonaparte 1804 die Anlage großer Nekropolen außerhalb der damaligen Stadtgrenzen, darunter der Père-Lachaise, um das Stadtzentrum nachhaltig zu sanieren.

Historische Stätten des Gedenkens und des Todes

Die französische Hauptstadt bewahrt sichtbare Spuren ihrer Begräbnis- und Gefängnisgeschichte.

Die Katakomben von Paris

Dieses unterirdische Beinhaus versammelt die Überreste von sechs Millionen Parisern auf einem 1,5 Kilometer langen Rundgang in zwanzig Metern Tiefe.

À savoir : Eine Online-Reservierung ist zwingend erforderlich, und die Zeitfenster sind oft Wochen im Voraus ausgebucht; die Temperatur beträgt konstant 14 Grad.

Der Friedhof Père-Lachaise

Diese 1804 eingeweihte, 44 Hektar große Nekropole umfasst 70.000 Grabstätten, darunter die Ruhestätten von Jim Morrison und Oscar Wilde.

À savoir : Der Eintritt ist frei. Gedruckte Lagepläne sind an Kiosken nahe den Eingängen erhältlich oder können über die Website der Stadt Paris heruntergeladen werden.

Die Kirche Saint-Séverin

Das im 13. Jahrhundert errichtete Gotteshaus bewahrt einen Kreuzgang, der einst als Pfarrbeinhaus für die Opfer mittelalterlicher Seuchen diente.

À savoir : Mitten im Quartier Latin gelegen; der Eintritt ist außerhalb von Gottesdiensten kostenlos möglich.

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Die Île de la Cité und die Conciergerie

Einst königlicher Palast, während der Französischen Revolution Gefängnis: In diesem Bauwerk verbrachte Marie-Antoinette ihre Haft bis zu ihrer Hinrichtung 1793.

À savoir : Für den Besuch benötigst du ein separates Ticket oder einen gültigen Museumspass.

Der Louvre-Palast

Hinter der Glaspyramide präsentiert die Abteilung für Ägyptische Antike Sarkophage und menschliche Mumien, die nach altägyptischen Bestattungsriten konserviert wurden.

À savoir : Die Buchung eines festen Zeitfensters ist verpflichtend, selbst für Inhaber freier Eintrittskarten.

Montmartre und seine Friedhöfe

Das Künstlerviertel beherbergt den 1825 eröffneten Friedhof Montmartre sowie den intimen Friedhof Saint-Vincent mit den Gräbern von Dalida und Marcel Carné.

À savoir : Die Wege sind teils kopfsteingepflastert und abschüssig; festes Schuhwerk ist daher ratsam.

Lutetia und die römischen Ruinen

Unter dem Pflaster des Quartier Latin liegen Reste der römischen Antike verborgen, darunter ein Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert, in dem einst Gladiatoren kämpften.

À savoir : Der Zugang zu den Arènes de Lutèce ist kostenfrei und richtet sich nach den täglichen Öffnungszeiten der städtischen Parkanlagen.

Veranstaltungen rund um den 31. Oktober

Rund um Allerheiligen bieten sich zahlreiche kulturelle und kommerzielle Aktivitäten zum Thema Grusel und Historie an.

Nächtliche Stadtführungen

Verschiedene Anbieter organisieren Rundgänge durch das Marais oder über die Île de la Cité, die sich auf historische Kriminalfälle, Pestepidemien und dokumentierte Stadtlegenden stützen.

Sonderprogramme in Museen

Ausgewählte Nationalmuseen veranstalten Ende Oktober thematische Rundgänge oder Spurensuche-Events rund um ihre morbideren Sammlungsstücke; eine Voranmeldung ist erforderlich.

Freizeitparks im Umland

Große Erlebnisparks außerhalb von Paris passen ihre Kulissen an und engagieren kostümierte Darsteller, um Besucher in den Wochen um den 31. Oktober zu erschrecken.

Wetter und Besucheraufkommen im Oktober

Ende Oktober liegen die Durchschnittstemperaturen in Paris zwischen 9 und 15 Grad, begleitet von typischen Herbstniederschlägen von rund 50 Millimetern im Monatsverlauf. Frischer Wind sorgt vor allem an den Seine-Ufern für kühle Abende. Die Zeit fällt zudem mit den französischen Allerheiligen-Schulferien (Toussaint) zusammen, was zu einem spürbar höheren Besucheraufkommen in Museen und Gedenkstätten führt.

Praktische Tipps für deinen Herbstaufenthalt

  • Durch die Umstellung auf die Winterzeit geht die Sonne Ende Oktober früh unter, was das Tageslicht für Besichtigungen verkürzt.

  • Besondere Sehenswürdigkeiten wie die Katakomben erfordern eine Buchung mehrere Wochen im Voraus, um garantierte Einlasszeitfenster zu erhalten.

  • Auf Friedhöfen gebietet der Respekt vor trauernden Familien an Allerheiligen Zurückhaltung beim Fotografieren.

  • Nutze bevorzugt die Métro, da herbstlicher Regen den Straßenverkehr über Tage regelmäßig ins Stocken bringt.

  • Trage Wertsachen in verschlossenen Innentaschen, da belebte Besucherzonen bevorzugte Einsatzorte von Taschendieben sind.

Möglichkeiten, das düstere Paris zu erkunden

Verschiedene Formate helfen dir dabei, die facettenreiche Kriminal- und Bestattungsgeschichte der Stadt kennenzulernen.

Historischer Print-Reiseführer

Ein auf das Mittelalter und die Französische Revolution fokussiertes Buch liefert verlässliche chronologische Eckdaten zu zentralen Ereignissen.

Geführte Kriminal-Tour

Ausgebildete Guides schildern historische Kriminalfälle vor Originalschauplätzen anhand zeitgenössischer Quellen und Bauwerke.

Audiotour mit GPS-Ortung

Eine mobile App startet fundierte Audiokommentare direkt auf deinem Smartphone, sobald du historische Kirchen, Plätze oder frühere Friedhöfe passierst.

— Questions fréquentes

Häufig gestellte Fragen zu Paris an Halloween

Ja, allerdings deutlich dezenter als in Nordamerika. Die Feiern beschränken sich weitgehend auf Privatpartys, Freizeitparks und ausgewählte Aktionen im Handel.

Sie folgen ihren regulären Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag, sofern kein regulärer Schließtag oder Ausnahmetermin auf dieses Datum fällt.

Die nationale Sicherheitsstufe Vigipirate sowie museumseigene Hausordnungen untersagen verhüllte Gesichter und sperrige Verkleidungs-Accessoires strikt.

Nein, die städtischen Friedhöfe in Paris richten sich nach den jahreszeitlichen Öffnungszeiten und schließen Ende Oktober bereits am späten Nachmittag.

Ja, Touren zu Kriminalfällen und Schauergeschichten sind für Ende Oktober meist schon Wochen im Voraus restlos ausverkauft.

Das Netz der RATP verkehrt nach dem regulären Fahrplan; lediglich zu den großen Freizeitparks im Umland werden bei Bedarf zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt.

— Pour aller plus loin

Erkunde die historischen Geheimnisse von Paris

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